„Treffpunkt Gott und die Welt“ - Bilder der heiligen Weisheit – Sophia

Bilder der heiligen Weisheit – Sophia

In Mitteleuropa findet sich, fast unbemerkt, in alter Kirchenkunst eine Tradition, heilige (göttliche) Weisheit darzustellen – übrigens immer weiblich. Während in der Ostkirche seit dem Bau der Hagia Sophia (Sophia ist das griechische Wort für Weisheit, hagia bedeutet heilig) in Konstantinopel vor weit über tausend Jahren diese Tradition lebendig geblieben ist, und es sogar in der moderneren orthodoxen Theologie eine Richtung der „Sophiologie“ gibt, scheint es in Mitteleuropa kaum eine Erinnerung daran zu geben. Die noch vorhandenen Darstellungen der Sophia werden als solche gar nicht mehr erkannt.
In dem Input geht es um die Aufdeckung dieser Spur in unserem Kulturraum anhand von Bildbeispielen - im Anschluss daran um die gemeinsame Reflexion der möglichen Bedeutung der theologischen Aspekte dieser Darstellungen für uns heute.
Wir werden zu Beginn das Bild der Weisheit in der Hagia Sophia, die zeitweise als eines der sieben Weltwunder galt, anschauen. Diese Kirche hat die Entwicklung und Verbreitung des Christentums nach Ost und West wesentlich geprägt. Während das Nebeneinander der Darstellung von „Sophia“ und „Logos“ (griechisch für Wort, Lehre, Weissagung; hier: Christus als Mensch gewordenes Wort Gottes) in der Ostkirche in der bildlichen Darstellung präsent und bewusst geblieben ist, ist die Fortsetzung und das Verständnis der Darstellung in unserem westlichen Kulturraum verblasst und vergessen.
Dabei sind auch in Deutschland und sogar in unserer näheren Umgebung, beispielsweise im Chiemgau, alte Spuren dieser Bildsprache zu finden. Ausgerechnet dieser einst hoch geschätzte und weibliche Aspekt des Glaubens wurde vergessen (?), er wird nicht mehr gesehen und verstanden.
Was ist uns da verloren gegangen? Macht es für uns einen Unterschied, die Idee von hagia Sophia, heiliger Weisheit, in unserer modernen Welt zu erkennen und in unser Bewusstsein zurückzuholen?
Ulrike Moeller, im Ruhestand, war Dipl.-Sozialpädagogin und Referentin und hat Philosophie (M.A., im Nebenfach Kunstgeschichte) studiert. Schon seit ihrer Jugend, in der sie in der evangelischen Kirche engagiert war, hat sie sich für Kultur, Geschichte, Religion(en) und spirituelle Ausdrucksformen in verschiedenen Kulturen interessiert. Seit fast dreißig Jahren folgt sie der entdeckten Faszination der vergessenen alten Bildbotschaften vieler mittelalterlicher Heiligenbilder.