Konzertmatinée

2020-03-08 Konzertmatinee Musica aliter und Concertino Castello Nuovo Andreaskirche

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IN PACE

Vokal- und Instrumentalmusik sowie Texte aus der Zeit des 30-jährigen Krieges

 

Das Ensemble "Musica aliter“

ist keine feststehende Gruppe, sondern ein Zusammenschluss von MusikerInnen und SängerInnen aus dem süddeutschen Raum, welche langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Alten Musik in diversen Spezialensembles und auf Meisterkursen gesammelt haben. In Projektarbeit werden Konzertprogramme, schwerpunktmäßig von der Renaissance bis zum Barock, in adäquaten Besetzungen und in möglichst authentischer Aufführungspraxis erarbeitet.

Das Ensemble "Concertino Castello Nuovo“

arbeitet ebenfalls projektbezogen und besteht in der derzeitigen Besetzung überwiegend aus Mitgliedern des "Bayerischen Jugend-Barockorchesters".

Neben dem Unterricht auf barocken Streichinstrumenten durch renommierte „Alte Musik Spezialisten“ während der Orchester-Proben-phasen und der Weiterbildung auf Kursen für historische Aufführungspraxis, z. B. bei den „Alte Musik-Kursen“ der Neuburger Sommerakademie, vertiefen die Musiker im Consort-Spiel ihre musikalischen (Orchester-)Erfahrungen auf Originalinstrumenten.

"In Pace

Das Programm "In Pace" wurde 2018 anlässlich der 400. Wiederkehr des "Prager Fenstersturzes" konzipiert, der den Beginn des 30-jährigen Krieges markierte. Es erklingen Vokal- und Instrumentalkompositionen sowie Gedichte aus der Zeit des 30-jährigen Krieges.

Das Konzert beginnt mit "Flow, my tears" des englischen Komponisten John Dowland. Danach wendet es sich mit einer doppelchörigen Canzone von Giovanni Gabrieli und der sechsstimmigen Vertonung der "Lauretanischen Litanei" von Claudio Monteverdi aus dem musikalischen Kraftzentrum der stark marianisch geprägten katholischen Kirchenmusik von San Marco in Venedig zu. Die in Venedig erworbenen Fähigkeiten im neuen Kompositionsstil der "venezianischen Mehrchörigkeit" stellte Heinrich Schütz 1619 mit der opulenten Vertonung der "Psalmen Davids" unter Beweis. Hieraus wird die Vertonung des Psalms 110 zur Aufführung kommen. Zwischen den Vokalkompositionen erklingen Instrumentalwerke von Johann Heinrich Schmelzer, Hofkomponist Kaiser Leopold I, Heinrich Ignatz Franz Biber und dem Pfalz-Neuburger Hofkomponisten Biagio Marini.

Obwohl allesamt nach dem Krieg komponiert wurden, bedeutete das nicht, dass es friedliche Zeiten waren. Denn auch nach 1648 gingen die teils religiös motivierten Kriegshandlungen, wenn auch eher lokal begrenzt, weiter. Ist die Passacaglia Marinis noch im melancholischen Ductus der Dowland Pavane gehalten, so erklingt mit Schmelzers "Fechtschule", in der die täglichen Waffenübungen der Edelleute fürs Kriegshandwerk musikalisch dargestellt werden, ein Paradebeispiel für die sich an den Fürstenhöfen neu entwickelnde ausdruckstarke Musikkultur. Diese bemühte sich, die bedrohliche politische Gesamtlage und das tägliche Elend mit künstlerischen Mitteln zu überzeichnen, um sie für die Menschen erträglicher zu machen. Biber gar treibt das Genre auf die Spitze und lässt in seiner Battalia eine ganze Feldschlacht musikalisch vor dem inneren Auge der Zuhörer vorbeiziehen.

In Gedichten aus der Kriegszeit von Georg Philipp Harsdörffer, Andreas Gryphius und Sigismund von Birken werden die Seelenzustände der Bevölkerung von unendlichem Leid und Resignation über Friedenshoffnung bis hin zur Friedenshymne nach Abschluss des Westfälischen Friedens in der teils sehr drastischen bildhaften Sprache des Frühbarock widergespiegelt.

Zum Abschluss des Konzertes erklingt mit dem doppelchörigen "Deutschen Magnificat" das Opus ultimum von Heinrich Schütz. Dieses 1671 komponierte letzte Werk des 86-jährigen Schütz greift bewusste die "altmodische" Kompositonsweise seines venetianischen Lehreres Gabrieli wieder auf. Damit schließt sich der Kreis zu der Zeit vor dem verheerenden Krieg, als zumindest in der Musik die vermeintlichen Gegensätze zwischen Lutheranern und Katholiken eine fruchtbare Symbiose eingingen und einfach nur großartige Musik hervorbrachten.

=> http://musica-aliter.net

 

Der Eintritt ist frei, Spenden erbeten.