Andreas aus Sicht des Architekten

Regierungsbaumeister Gustav Gsaenger
Gustav Gsaenger (1900 - 1989) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Schöpfer einer Reihe von protestantischen Kirchenbauten bekannt, darunter auch unserer Andreaskirche in München Fürstenried.

Aus einem Interview (Gemeinde im Gespräch, Nr. 2, Nov. 1963)
Das Ensemble der AndreaskircheEine Kirche entsteht aus dem sakralen Raum, sie wächst also gewissermaßen von innen nach außen. In der Planung läuft die äußere Form parallel. Die eigenartige und ungewöhnliche Gestaltung der Andreaskirche ergab sich aus den Vorbedingungen: Gemessen an dem großen Programm (Kirche plus Pfarrhaus plus Gemeindesaal plus etlichen anderen Nebenräumen) war der zur Verfügung stehende Bauplatz zu klein. Daraus erwuchs die Notwendigkeit, die Kirche zweigeschossig zu bauen.

Turm und hinterer Eingang der AndreaskircheIn einem so modernen und großstädtischen Wohnbezirk wie dem unsrigen muß auch die Kirche eine städtische Form besitzen: Sehr straff und hochgestellt. Sie soll ja in jeder Beziehung den Weg weisen, darf also von den Wohnblöcken nicht erdrückt werden. Die Höhe der Traufe beträgt bereits 15 m, der Kirchturm hat eine Höhe von 40 m. Auf die Frage, warum dieser wie so viele andere Kirchtürme in jüngster Zeit abseits der Kirche stehe, antwortete der Architekt, daß hier allein statische Gründe dazu gezwungen hätten. Der Turm müsse wegen seiner Höhe und der Bewegung der Glocken bedeutend tiefer und fester fundamentiert werden als das Kirchenschiff.

Matthäuskirche MünchenUnser Gotteshaus ist etwa die 35. Kirche, die Herr Gsaenger gestaltet hat. Die Apostelkirche in Solln, die Gethsemanekirche am Waldfriedhof, die Notkirche in Großhadern, St. Matthäus, Umbau von St. Markus – um nur einige zu nennen – wurden nach seinen Plänen errichtet.

Quelle: Gemeinde im Gespräch, Nr. 2, November 1963